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Montag, 27. April 2009

Der Weg zur Schale

Am Tag der großen Trainerentlassung beschäftigt mich eine ganz andere Frage: Kann der BVB seine Siegesserie fortsetzen? Und wenn ja, wohin könnte das führen?

Zum Glück bietet ‘kicker online’ so einen lustigen Spieltagsrechner an, bei dem man sämtliche Bundesligaspiele tippen kann und dabei sofort angezeigt bekommt, welche Auswirkungen jedes einzelne Tor auf die Tabelle hat. Und genau das habe ich heute mal gemacht, ich habe also die restlichen fünf Spieltage der Saison 2008/09 komplett getippt, insgesamt 45 Spiele. Hier also nun meine Vorhersage:

Am 30. Spieltag spielt die Borussia in Frankfurt. Ich werde das Spiel mit Freunden (allesamt Eintracht-Fans) im Stadion verfolgen und hoffe daher noch stärker als sonst auf einen Sieg des BVB. Meine Hoffnungen werden (über-)erfüllt, Schwarzgelb landet einen Kantersieg. Schalke ist der Auswärtssieg in München nicht bekommen, sie kassieren eine Heimniederlage gegen Leverkusen. Die Bayern feiern unter ihrem neuen Trainer den erhofften Befreiungsschlag und Wolfsburg kann schon wieder nicht gewinnen.

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Die Schalker wurden also endlich überholt, weiter geht’s zu Spieltag Nr. 31. Dortmund feiert einen ungefährdeten Heimsieg gegen den KSC, der beweist, dass die Mannschaft des BVB gefestigt ist und sich von einem Abstiegskandidaten nicht die Chance auf die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb nehmen lässt. Bei den Bayern ist die Aufbruchstimmung dagegen gleich wieder dahin, da sich die “tollen Cottbuser” (O-Ton Uli Hoeneß) im Stadion der Freundschaft besonders kraftvoll gegen den drohenden Abstieg wehren. Stuttgart unterstreicht seine Ambitionen auf den Titel indem Tabellenführer Wolfsburg deutlich geschlagen wird und Werder Bremen gewinnt mal wieder gegen den HSV.

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Am 32. Spieltag fügt der BVB den Wolfsburgern ihre erste Heimniederlage der Saison zu und macht damit deutlich, dass man inzwischen zu den Spitzenteams der Liga gehört. Wolfsburg hat jetzt dreimal in Folge nicht gewonnen und Felix Magath betont, dass für seinen VfL die Meisterschaft sowieso nie das Ziel gewesen sei. Die Bayern gewinnen – wie immer eigentlich – ihr Heimspiel gegen Leverkusen und übernehmen damit die Tabellenführung. In München verdichten sich derweil die Gerüchte, dass Jupp Heynckes im Falle des Titelgewinns Trainer bleiben soll. Stuttgart erleidet auf Schalke einen herben Dämpfer und in Mönchengladbach verliert man sämtliche Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Gegen die “tollen Cottbuser” ist einfach nichts zu machen.

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Der vorletzte Spieltag stellt die Reihenfolge an der Tabellenspitze nochmal auf den Kopf. Borussia Dortmund erzittert sich ein 1:0 gegen die vom Abstieg bedrohten Bielefelder, die in dem Spiel zwar alles probieren, aber außer der Latte des Dortmunder Tores nichts weiter treffen. Wolfsburg meldet sich durch einen spektakulären Erfolg im Niedersachsenderby wieder zurück – nachdem niemand mehr mit dem VfL gerechnet hatte, spielen Grafite, Dzeko und Misimovic plötzlich wieder ganz groß auf. In Stuttgart werden Erinnerungen an den Mai 2007 wach, man schlägt Cottbus zuhause erneut 2:1. Der HSV beweist gegen Köln, dass er die Saison noch nicht abgehakt hat und Werder Bremen produziert mal wieder eins dieser völlig absurden Ergebnisse, indem der hilflose KSC gnadenlos überrollt wird.

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Somit haben vor dem letzten Spieltag noch fünf Mannschaften die Chance Deutscher Meister zu werden: Wolfsburg, Dortmund und Stuttgart liegen punktgleich vorne, München und Hamburg folgen mit einem Punkt bzw. zwei Punkten Abstand. In Berlin sind nach dem 1:1 gegen Schalke am 33. Spieltag endgültig alle Titelträume geplatzt, da am letzten Spieltag die Bayern auf den VfB treffen.

Der 16. Mai 2009 wird in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingehen. Fünf Teams können noch den Titel gewinnen, das gab es noch nie! Die DFL stellt diese Konstellation vor logistische Probleme, schließlich muss in vier Stadien eine Meisterschale für den endgültigen Sieger bereitstehen. Gemeinsam mit dem DFB und den beteiligten Vereinen wird beschlossen, dass das Original in Wolfsburg bereitgehalten wird, schließlich hat der VfL als Tabellenführer die rechnerisch besten Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft. In München steht das vereinseigene Duplikat der Bayern bereit, notfalls auch für den VfB. Die Hamburger würden im Falle des Titelgewinns zunächst das Duplikat des DFB überreicht bekommen. DFB-Präsident Zwanziger trägt vor dem Spiel die Schale persönlich in der Otto-Fleck-Schneise auf dem Weg ins Waldstadion spazieren. Die Dortmunder bringen ihre eigene Kopie mit nach Mönchengladbach, allerdings besteht Jürgen Klopp darauf, dass die Schale nicht zusammen mit der Mannschaft im Bus transportiert wird.

Der 34. Spieltag verläuft chaotisch. Wolfsburg verspielt eine frühe 2:0-Führung gegen die ihrerseits vogelwild agierenden Bremer. Mitte der zweiten Halbzeit steht es 4:2 für Werder, die VfL-Fans sind fassungslos. In Mönchengladbach steht es recht lange 2:2. Zwar konnte die frühe Führung der falschen Borussia postwendend ausgeglichen werden, aber ab der 65. Minute steht es eben 2:2 und in den letzten zehn Minuten gelingt beiden Mannschaften gar nichts mehr, die Schwarzgelben sind wie gelähmt. Alles spricht also für die Bayern, die seit der 55. Spielminute komfortabel mit 2:0 führen und somit einen Punkt mehr als die punktgleichen Dortmunder und Hamburger – die ihrerseits ein ungefährdetes 2:0 bei der Eintracht erzielen – auf dem Konto hätten. Allerdings gelingt dem VfB rund zehn Minuten vor Schluss der Anschlusstreffer, das Spiel scheint zu kippen. Tatsächlich fällt keine fünf Minuten später der Ausgleich. Gomez, immer wieder dieser Gomez! In diesem Moment liegt plötzlich der BVB ganz vorne, der seinerseits aber schon lange keinen vernünftigen Angriff mehr zustande bekommt. Die Bayern erwachen wieder aus ihrer Lethargie, drängen auf den erneuten Führungstreffer. Die Stuttgarter halten allerdings dagegen, denn sie wissen genau: Machen sie hier das dritte Tor, heißt der Deutsche Meister VfB Stuttgart! Das Spiel ist nun vollkommen offen, währenddessen in Wolfsburg noch einmal Hoffnung aufkeimt, da der VfL auf 3:4 herangekommen ist.

17:18 Uhr: Das Spiel in Frankfurt ist beendet, in Wolfsburg und Mönchengladbach läuft jeweils die Nachspielzeit. Die Hamburger Spieler rennen sofort an den Spielfeldrand und wollen von den Reportern wissen, wie es in den anderen Stadien steht. Als nächstes endet die Partie in Mönchengladbach. Endstand: 2:2. Die Dortmunder, die zuletzt neun Spiele in Folge gewinnen konnten, spielen heute nur Unentschieden. Damit liegt man zwar vor dem HSV, aber was machen Bayern und Stuttgart? Banges Warten.

In Wolfsburg ist um 17:21 Uhr auch endlich Schluss. Am Ende trennen sich die beiden offensivstärksten Mannschaften der Saison 3:4. Damit wäre Wolfsburg nur Fünfter. Selbst wenn es in München doch noch einen Sieger geben sollte, wäre für den VfL maximal Platz vier drin, die Meisterschaft ist passé. Zur gleichen Zeit hat in Mönchengladbach Klopp alle seine Spieler in der Mannschaftskabine versammelt, hektisch winkt er alle Akteure herbei. Man weiß, dass das Spiel in München noch läuft und man möchte auf keinen Fall so dumm dastehen wie die Schalker acht Jahre zuvor.

Die vierte Minute der Nachspielzeit hat in München gerade begonnen, als der Schiedsrichter endlich abpfeift. 2:2. Dortmund ist Meister!

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Während die Bayern-Spieler entweder noch auf den Schiedsrichter einreden, oder aber schon auf dem Weg in die Katakomben des Stadions sind, blicken die Stuttgarter sofort hoch zur Anzeigetafel oder rennen zu Auswechselbank. Sie kennen die anderen Spielstände nicht, sie hoffen, dass das Unentschieden vielleicht doch zum Gewinn der Meisterschaft gereicht haben könnte.

Auf den Bildschirmen der Fernsehreporter am Spielfeldrand sind aber zu diesem Zeitpunkt schon die feiernden BVB-Fans in Mönchengladbach zu sehen. Enttäuschung also auch bei den Kickern des VfB, als sie sehen, wie die Dortmunder Spieler völlig enthemmt zurück aufs Spielfeld rennen. Sekt- und Bierduschen wohin man schaut, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Der BVB hat es geschafft.

Montag, 16. März 2009

Nichts ist scheißer als verlieren

... hat Erik Meijer einmal behauptet. Ein 4:4-Unentschieden in Hannover kann, wenn Ihr mich fragt, aber noch viel scheißer sein als zum Beispiel ein 1:2 in Stuttgart. Vor allem, wenn man zweimal mit je zwei Toren Abstand führte (0:2 und 2:4). Vor allem, wenn man selbst drei der vier geschossenen Tore wunderbar herausspielt, sich daneben noch zahlreiche weitere Chancen durch schnelles Pass- und Laufspiel erarbeitet, im Gegenzug aber vier Treffer nach so genannten Standardsituationen hinnehmen muss. Vor allem, wenn der Trainer der gegnerischen Mannschaft, der während des Spiels unentwegt irgendeinen Blödsinn in Richtung Spielfeld schreit, nach dem Spiel auch noch die Nerven hat an der Rechtmäßigkeit des Strafstoßes für Borussia in der ersten Halbzeit zu zweifeln. Das Foul von Tarnat an Sahin, der daraufhin verletzt ausgewechselt werden musste, war erstens brutal und zweitens eindeutig innerhalb des Strafraums, was Sebastian Hellmann im "Premiere-Halbzeitstudio" zu der Aussage verleitete, dass dies "vielleicht der klarste Elfmeter der Bundesligahistorie" gewesen sei. Da kann ich meinen Freunden von Premiere ausnahmsweise mal nicht widersprechen.

Aber es hilft ja alles nichts. Für den BVB geht es in dieser Saison um nichts mehr – vielleicht abgesehen von Platz 1 in der inoffiziellen Ruhrgebietsmeisterschaft. Aber wenn ich ehrlich bin, bedeutet mir die “Nummer 1 im Pott” nicht viel in einer Saison, bei der auf Schalke bislang fast gar nichts zu klappen scheint und Bochum erwartungsgemäß gegen den Abstieg spielt. Außerdem hat der BVB gegen seine blau-weißen Rivalen in dieser Saison bislang kein einziges Spiel gewonnen. Sollte das Spiel an der Castroper Straße demnächst ebenfalls nicht gewonnen werden – ich rechne fest mit einem Unentschieden – gibt’s nicht mal dieses Trostpflaster.

Unentschieden. 13 Stück gab es davon in den bisherigen 24 Bundesligaspielen. Wenn man etwas böswillig ist, könnte man sogar noch zwei weitere Remis dazuzählen: Da wäre zum einen das Duell mit Udinese Calcio in der 1. Runde des UEFA-Pokals, welches erst im Elfmeterschießen entschieden werden konnte. Streng genommen stand es dort nach zwei Spielen also ebenfalls unentschieden. Und zum anderen gab es da noch das DFB-Pokalspiel gegen Luciano Favrettis Hertha, in dem es zumindest nach 90 Minuten 1:1 stand.

Man könnte fast meinen, die Mannschaft wüsste nicht genau, wohin sie in dieser Saison eigentlich will. Das Wort unentschieden passt zum BVB 2008/2009. Man liegt auf Platz 9 in der Tabelle, man ist in den Pokalwettbewerben trotz zum Teil ansprechender Leistungen jeweils sehr knapp gescheitert, man hat 12 Punkte Vorsprung auf Platz 16, aber auch 9 Punkte Rückstand auf Platz 5.

Naja, es gibt schlimmeres, ich weiß. Keine Abstiegsangst haben zu müssen, ist etwas sehr, sehr angenehmes. Eine Mannschaft, die sich zumindest in einigen Bereichen gegenüber den Vorjahren deutlich verbessert zeigt, mag ich eigentlich auch gar nicht zu sehr kritisieren. Schließlich machen sie auch sehr vieles richtig, wahrscheinlich Dank des neuen Trainers. Vielleicht kann man nun die verbleibenden 10 Spiele dazu nutzen, sich ohne großen Druck mit den restlichen Schwächen auseinanderzusetzen und sich in Ruhe Gedanken darüber machen, welche Spieler dieses Team in der kommenden Saison verstärken könnten.

Wie wäre es zum Beispiel mit Ralph Gunesch vom FC St. Pauli? Der Abwehrspieler hat am Wochenende nach dem Sieg seiner Mannschaft in Aachen folgendes gesagt: “Wenn wir so weitermachen, dann schauen wir mal, was am Ende dabei rauskommt.” Ich finde, mit dieser Einstellung passt er ganz hervorragend zum BVB!

Samstag, 13. Dezember 2008

Das Gaudium

Ach hätte ich doch nur die gleiche humanistische Bildung wie Fritz von Thurn und Taxis genossen! Zwar besuchte ich neun lange Jahre ein alt- und mittelsprachliches Gymnasium und verließ es schließlich auch mit dem Abitur in der Tasche, aber um Latein und Altgriechisch konnte ich mich zugunsten der gegenwärtig zumeist etwas nützlicheren Fremdsprachen Englisch und Französisch herumdrücken. Aber heute hätte ich beim Verfolgen des Spiels VfB Stuttgart gegen Bayern München auf Premiere mein rudimentäres Französisch gerne für die eine oder andere Lateinvokabel eingetauscht, weil dann hätte ich den Live-Kommentar von FvTuT (a.k.a. Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar Prinz von Thurn und Taxis, kurz FLIJMLBPvTuT) vielleicht häufiger verstanden als dies der Fall war. Eingeschüchtert von FvTuTs intellektueller Überlegenheit mir gegenüber ließ das Niveau meiner Aufmerksamkeit auch während der zweiten Halbzeit des Spiels deutlich nach - anders ist es nicht zu erklären, warum ich den genauen Zusammenhang nicht mehr erinnere, in dem FvTuT folgenden (Halb-)Satz sagte: "..., nicht so sehr zum Gaudium des Publikums."

Wie bitte? Was war das? Gaudium? Was heißt das? Und welches Publikum meint FvTuT a.k.a. FLIJMLBPvTuT überhaupt? Vielleicht ja das Publikum, welches die Leute vom Fernsehen so gerne da "abholen" wollen, wo dieses sich eben aufhält - was auch immer das nun bedeuten mag.

Wie auch immer. Gaudium also. Laut Meyers Online Lexikon ist dieses Wort lateinisch und bedeutet: "großer Spaß, Belustigung, Vergnügen." Okay, hätte man draufkommen können. Mordsgaudi, Wahnsinnsgaudi, Riesengaudi - alles schon mal irgendwo gehört. Im Zweifelsfall von irgendwelchen bayrischen Menschen in der ARD.

Ich fasse also zusammen: FvTuT verwendet in seinem Kommentar eines Bundesligaspiels auf dem privaten Pay-TV-Kanal Premiere die lateinische Vokabel Gaudium. Die Gerd Rubenbauers und Florian Silbereisens dieser Welt verwenden in ihren Moderationen sinnbefreiter Unterhaltungssendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die bayrische Gute-Laune-Vokabeln Mordsgaudi, Wahnsinnsgaudi und Riesengaudi. Wenn ich nun den genannten Kommentatoren bzw. Moderatoren unterstelle, dass sie ihr Publikum tatsächlich "abholen", also auf ihre Zuschauer zugehen, ihnen entgegenkommen, dann frage ich mich, wo sich dieses häufig zitierte Unterschichtenfernsehen denn nun befindet.

An diesem Punkt breche dieses Gedankenspiel am besten ab und wende mich dem für mich größten Gaudium des 17. Spieltags zu. Und das lieferte der Karlsruher Torwart Markus Miller, der nach dem unglücklichen 0:4 seiner Mannschaft bei Hertha BSC folgendes Bonmot (ha, da machen sich die fünf Jahre Französisch-Unterricht doch mal bezahlt!) ins Premiere-Mikrofon sprach: "Das müssen wir jetzt erst alles, äh, analysieren - und dann vergessen." Recht hat er! Als moderner Fußballprofi analysiert man nämlich pflichtschuldig so ziemlich alles. Aber als gestandener Fußballprofi weiß Miller natürlich auch, dass er diese bittere Niederlage - ebenso wie praktisch die gesamte Hinrunde des KSC - am besten möglichst schnell vergessen sollte, wenn er irgendwann mal wieder gute Laune bei irgend etwas empfinden möchte.

Was mich zum Aufstellen folgender These verleitet: Nur nach gründlicher Analyse des Geschehens und anschließender Amnesie ist das Gaudium wieder möglich.

Stuttgarts Stürmer Mario Gomez, um wieder einen Bogen zum Ausgangspunkt dieses Textes zu spannen, formulierte vor gut einem Jahr in einer ähnlich unbefriedigenden Situation mehr in der Tradition des gestandenen Fußballers, indem er sagte: "Vielleicht hilft nur noch saufen." Wahrscheinlich meinte Miller irgendwie dasselbe.

Was Christoph Dabrowski nach dem 1:2 des VfL Bochums gegen den 1. FC Köln meinte - um zu einem weiteren Gaudium dieses Spieltags zu kommen - ist dagegen leicht zu erahnen. Der Bochumer Mittelfeldspieler sagte nämlich zum Zustandekommen der Bochumer Niederlage dies: "Das zieht sich schon durch die ganze Hinrunde wie ein seidener Faden."

Wie ein seidener Faden zieht sich auch die Art und Weise der Berliner Siege durch die bisherige Bundesligasaison: unspektakulär, oftmals unansehnlich, aber dafür extrem diszipliniert und effizient. Man könnte auch sagen, dass in Berlin ein Catenaccio franko-schweizerischer Prägung Einzug gehalten hat. Weshalb ich mir auch nicht mehr sicher bin, ob der Trainer dort nun Lucien Favre heißt oder in Wahrheit nicht doch Luciano Favretti.

Letzteres wäre eigentlich auch ein viel passenderer Name für Herthas Maskottchen Herthinho, denn brasilianisch ist an der Spielweise der Berliner nämlich überhaupt nichts. Außerdem wäre es meiner Meinung nach mal an der Zeit, dass die Maskottchen in der Fußball-Bundesliga anstatt der zumeist zweisilbigen Fantasienamen wie Fritzle, Emma, Berni oder Dino anständige Vor- und Zunamen erhalten. Dann wären sie vielleicht auch ein echtes Gaudium für ihr Publikum.

Sonntag, 14. September 2008

Mein ganz persönlicher Derby-Crashkurs

3:3 gegen Scheiße 04! Nachdem man bereits mit 0:3 zurücklag! Wahnsinn! Aber war das wirklich die "Mutter alles Derbys", wie Marcel Reif in seinem Live-Kommentar für Premiere verkündete? Ich weiß es nicht, denn ich habe es nicht live miterlebt. Ich saß zwar am Samstagnachmittag in schwarzgelber Montur in meinem Wohnzimmer und sowohl der Fernseher, als auch der Premiere-Receiver funktionierten tadellos. Aber trotzdem kann ich nicht wirklich mitreden.

Warum?

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da waren zum einen die ebenfalls anwesenden befreundeten VfB-Fans, die mit mir gemeinsam über eine Stunde lang von der spielerischen Armut der Dortmunder gequält wurden und die ebenso entsetzt wie ich das vogelwilde Treiben Mohamed Zidans beobachtet hatten. Zum anderen war da die Einsicht bei mir, die Geduld und Loyalität meiner Freunde nicht länger zu strapazieren durch das Anschauen eines Spiels, welches um die 60. Minute herum mausetot war, während es zum Beispiel beim Spiel der Stuttgarter bei der TSG Hoffenheim noch vollkommen ausgeglichen zuging. Also befahl ich in der 64. Spielminute des Derbys den Wechsel zum Spiel des VfB. Zidan wurde ausgewechselt, nun sollte auch unser Leid ein Ende haben. Schwarzgelber Fan-Stolz hin oder her, das war es einfach nicht wert, es sollten ja nicht auch noch unschuldige Schwaben unter dieser schmachvollen Niederlage weiter leiden müssen.

Das Ergebnis dürfte bekannt sein: Dortmund erzielte nach unserem Umschalten noch drei Tore (mindestens eins davon hätte nicht zählen dürfen), Schlacke verlor zwei Spieler durch Platzverweise (mindestens drei hätten es sein müssen) und unsere Fußball-Fernseh-Runde bekam all das nicht mit, da es das sensationelle 0:0 des VfB verfolgte.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sprach nach dieser Partie von einem "Crash-Kurs" in Sachen Derbys. Die Art Crashkurs, die ich gestern um kurz vor fünf per Fernbedienung ansteuerte, hat er damit aber, glaube ich, nicht gemeint...